Ich habe mich nie aufgegeben und habe immer viel an mir gearbeitet. Ich habe das soziale Training mitgemacht und seit ich hier bin habe ich Kontakt mit der Suchberatung, dem Herrn R., der hat mich immer wieder geholt. Das Gefängnis ist natürlich nicht toll, es hat viele, viele schlechten Seiten, man versteht manche Dinge nicht. Aber wenn man hier mitmacht und die Voraussetzungen da sind, dann wird einem geholfen. Man steht also nicht im kalten Wasser …

Ich habe einen sehr guten Kontakt zu meiner Familie. Ich werde regelmäßig besucht,… die haben mich nie aufgegeben. Alle. Angefangen bei meiner Oma, meiner Tante, meinem Bruder, meinem Sohn natürlich und meiner Exfrau, die den Kontakt zu meinem Sohn auch immer sehr unterstützt hat. Also in dem Bereich fehlt es an nichts.

Mein Sohn ist jetzt acht. Aber er weiß nicht, dass ich hier bin. Ich habe einmal im Monat Ausgang und Urlaub und während dieser Zeit habe ich ihn für mich. Ich sage ihm, dass ich auf Montage bin und auswärts arbeiten muss. Es wird immer schwieriger, weil er jetzt zum Beispiel gefragt hat, warum ich keine eigene Wohnung habe. Dann sage ich zu ihm, dass ich im Hotel schlafe und dass es von der Firma bezahlt wird usw. Jetzt wird es langsam Zeit, dass ich rauskomme … ich belüge ihn ja eigentlich. Wenn er ein bisschen größer ist, dann erzähl ich ihm die Wahrheit. Auf alle Fälle, dann versteht er es besser und kann es vielleicht besser verarbeiten.

Der Richter hat es mit mir immer gut gemeint. Es waren immer Delikte in Form von Trunkenheit im Verkehr oder ähnliches. Man hat mir immer wieder die Chance auf Bewährung gegeben, bis einmal der große Hammer kam und man gesagt hat: Jetzt nicht mehr. Dann bin ich eben hier rein gekommen, alles wurde widerrufen und es hat sich eben ziemlich viel gesammelt.

Während meiner ersten Haftzeit in Landsberg hatte ich großes Glück. Es wurde jemand für die Bäckerei gesucht und eigentlich arbeiten dort nur Langjährige. Ich habe dort dann eine Umschulung begonnen und konnte relativ schnell raus, durfte sogar einmal in der Woche mit dem Zug nach München fahren. Da dachte ich mir auch, dass das gar nicht so schlimm ist, wie ich früher immer gedacht hatte. Ich habe auch relativ schnell Lockerungen bekommen. Das Ganze ging dann 14 oder 15 Monate lang gut, bis ich an Silvester raus bin und der große Absturz kam … Ich habe sehr darunter gelitten, dass ich meinen Sohn nicht mehr gesehen hatte, dass ich meine Frau verloren hatte. Ich habe lange gebraucht, um damit klarzukommen. Damals bekam ich Urlaub, hatte das mit ihr noch nicht ganz verkraftet und habe viel getrunken und wieder etwas konsumiert … Kokain. Ich war dann … durchgeknallt und bin vier Tage lang nicht eingerückt. Dadurch habe mir dann wieder alles versaut.

Was ich wirklich sagen kann, ist, dass mich die Haft hier in Kempten menschlich wirklich sehr getroffen hat. Man lernt, sich über gewisse Dinge, über Kleinigkeiten zu freuen. Disziplin bekommt man automatisch, und man lernt wieder mit wenig Geld auszukommen. Dieser geregelte Ablauf, gerade für die schwer Suchtabhängigen, ist sehr wichtig.

Nach der Haft werde ich aus der Gastronomie aussteigen, das auf alle Fälle. Ich kann mit dem Alkohol irgendwie nicht umgehen. Außerdem müsste ich dann wieder am Wochenende arbeiten und könnte meinen Sohn nicht sehen. Ich habe jetzt eine Vereinbarung mit meiner Exfrau getroffen, dass ich ihn alle zwei Wochen am Wochenende für mich habe und mit der Arbeit könnte ich das nicht unter einen Hut bringen. Ich denke mir auch, dass ich unbedingt etwas in meinem Leben verändern muss. Ich habe sogar schon einen neuen Job bei einer Firma, die Licht- und Tontechnik betreibt, möchte dort zunächst im Lager anfangen, damit ich mich mit den ganzen Geräten vertraut mache und wenn es soweit ist, wenn ich fit bin, fahre ich mit zum Aufbauen.

Hier drinnen habe ich keine Freunde, ich habe auch keine Freundschaft zugelassen. Ich vertraue niemandem. Ich habe schon so viele negative Erfahrungen gemacht, so viel gesehen. Hier schaut jeder auf sich, hier ist jeder auf sich aus. Es hat zwar immer Leute gegeben, mit denen man gute Gespräche geführt hat und sich gegenseitig geholfen hat, aber … eine richtige Freundschaft im Gefängnis ist glaube ich sehr, sehr selten. Ich habe mich eher auf mich konzentriert.

Für mich ist das schlimmste am Gefängnis das Warten, das ewige Warten. Wenn man einen Antrag schreibt, wartet man auf eine Antwort. Jetzt warte ich auf einen Beschluss … kommt er, kommt er nicht? Ich warte eigentlich schon seit drei Jahren. Am Anfang wartet man auf seine Anklageschrift, dann auf seine Verlegung, später auf den Arbeits- oder Sportantrag. Man wartet und wartet. Das hat mich manchmal schon ein bisschen verrückt gemacht.

Ich war zwölf damals oder zehn, als sich meine Eltern geschieden haben. Mein Bruder und ich sind dann bei meiner Mutter geblieben. Er ist aber das extreme Gegenteil von mir. Er ist bei der Polizei. Als ich eingesperrt worden bin, hat er gemeint, dass man mich schon früher hätte wegsperren sollen. Aber nicht, weil er nichts mehr mit mir zu tun haben wollte, sondern damit ich kapiere, dass ich was falsch mache. Wir haben uns aber immer blendend verstanden und verstehen uns immer noch sehr gut.

Mich freut es auf das Leben da draußen, auf die Leute, auf das Arbeiten, auf meinen Sohn. Spazieren gehen, wann ich will und wo ich will…