Bei meiner früheren Freundin gabīs eine Kurzschlussreaktion. Ich habe zwei Halbe getrunken, ein Küchenmesser genommen und zugestoßen. In mich selber, in den Bauch. Aber für Selbstverstümmelung gibtīs keine Strafe. Ich habe drei Liter Blut verloren. Das Messer kam hinten wieder raus. Der erste Spruch der Polizisten: Ach, du schon wieder.

Ich wurde am 13.12.04 verhaftet und sitze hier bis September 2006. Es ist meine erste Haftstrafe: wegen unerlaubtem Waffenbesitz, Trunkenheit im Verkehr, Diebstahl und unterlassener Unterhaltszahlung.

Ich hab wegen Trunkenheit im Straßenverkehr die Bewährung aufgehoben bekommen. Ich war betrunken auf dem Fahrrad, morgens um drei Uhr. Dazu kam noch der Waffen- besitz...

Die Strafe find ich ok, aber 21 Monate ist zu lang. Groll hab ich nur auf die Richterin, die mich wegen Unterhalt verurteilt hat. Da ich noch nie Unterhalt bezahlt habe, hat das Sozialamt mich verklagt. In sieben Minuten war ich verurteilt.

Im Knast hab ichīs mir schlimmer vorgestellt. Aber ich will nie mehr rein. Hier hat man nichts zu tun. Hier vergeht die Zeit nicht.

Ich kam direkt ins Gefängnis. Ich war beim Entzug dann sehr aggressiv, zitterte, hatte Schweißausbrüche. Aber ich will keine psychische Betreuung oder Therapie. Ich weiß meistens vieles besser als die Ärzte oder Psychologen.

Von meiner Mutter habe ich keine Ahnung. Vor zwei bis drei Jahren habe ich gehört, dass sie in O. wohnt, aber das interessiert mich eigentlich nicht. Ich weiß zwar, wo mein Vater wohnt, aber habe auch zu ihm keinen Kontakt.

Die Aggressionen hatte ich schon als Kind, in der Schule oder auch beim Bund. Wenn einer schwächer war, musste er halt herhalten. Das hatte auch damals schon viel mit dem Alkohol zu tun. Gegen meine Wut mach ich später Sport. Kampfsport, da kann man sich sehr gut abreagieren. Ich glaub, ich hab meine Aggressionen gut im Griff.

Mit sechzehn habe ich mit dem Trinken angefangen, mit siebzehn bei der Bundeswehr hat man richtig Saufen gelernt. Ich habe auch auf der Straße gelebt, in S. in einem Zelt.
Zu meiner Pflegefamilie habe ich noch Kontakt. Die war sehr gut. In meiner Kindheit hatte ich alles, was ich brauchte. Ich wüsste nicht was mir gefehlt hat. Aber auch auf meine Pflegemutter bin ich mal mit dem Messer losgegangen, da war ich 17. Wir haben über irgendwas diskutiert. Ich bin wütend geworden, hab das Küchenmesser genommen. Es ist aber Gott sei Dank nichts passiert. Meine Brüder sind dazwischen gegangen.

Ich bin Waffenliebhaber, habe aber keinen Waffenschein. Auf Menschen habe ich noch nie geschossen, nur auf Zielscheiben oder Katzen. Die hasse ich.

Als ich die erste Schusswaffe gekauft habe, hab ich mich mutig gefühlt. Die kleine 22er war später immer durchgeladen und im Gürtel dabei. Früher hab ich oft Schlägereien angezettelt, meinen Frust abgelassen. Da hab ich Angst gehabt, der Andere kommt mit dem Messer, da brauchte ich die Pistole. Aber ich will jetzt keine Waffen mehr.

Ich war erfolgreicher Vogelspinnenzüchter und habe 8 Schlangen gehalten. Eine Vogel- spinne lebt noch bei einer Freundin. Die ist jetzt so groß wie meine Hand.

Kurz vor dem Bund habe ich den Quali nachgemacht. Dann habe ich ‘ne Schreinerlehre angefangen. Aber das war nichts für mich. Ich habe keine Geduld dafür.

Wenn ich hier rauskomme, will ich Krankenpflege machen, vielleicht Flugrettung. Ich war 14 Jahre im Rettungsdienst, das hat mir immer gut gefallen. Ich versuche ein geregeltes Leben.

In der Haft habe ich wieder starke Suizidgedanken. Ich habe eine Tochter, die ist fünf Jahre und geht in den Kindergarten. Ich habe sie als letztes gesehen als sie zwei Jahre alt war. Als ich die Bilder meiner Tochter gesehen habe, hab ich nur gedacht, so schnell wie möglich raus hier. Kein Alkohol mehr, kein Scheiß mehr bauen. Ich möchte langsam wieder Kontakt zu meiner Tochter aufbauen, sie kennen lernen. Meine erste Verurteilung bekam ich wegen unterlassener Unterhaltszahlungen. Ich hatte keinen Job mehr und habe verstärkt Alkohol konsumiert. Jeden Pfennig den ich hatte, habe ich in Alkohol investiert. Mit Drogen will ich nichts zu tun haben. Zu teuer, da trink ich lieber ein Bier.

Einmal habe ich schon mal 6 Wochen aufgehört, aber dann hatte ich Stress gehabt und wieder angefangen. Das war der einzige Versuch in 12 Jahren. Stress entsteht bei Diskussionen, Streitereien, Handgreiflichkeiten. Wenn ich was nicht gekriegt habe, bin ich sehr aggressiv geworden. Hab sehr schnell zur Waffe gegriffen. Waffen hab ich bei der Bundeswehr kennen gelernt. Dann bin ich in den Westernclub eingetreten und hab mir meine erste Waffe gekauft. Schwarzpulferwaffe, 45er, mit der bin ich regelmäßig zum Schießen gegangen. Dann hab ich ne Schreckschusswaffe aufgemacht, das Sicherheitssplind ausgebaut und damit scharf geschossen.

Dann kamen in letzter Zeit noch die Diebstähle, nichts mehr zu trinken gehabt, da hab ich Bierkästen geklaut, Leergut, und dann eingelöst und Bier dafür gekauft. Jedes mal wenn ich einen Kasten geklaut habe, habe ich gedacht: nicht schon wieder... aber es wurde immer schlimmer. Da hat mich einer verpfiffen. Der hat auch mitgemacht, sitzt jetzt auch wie ich. Ich habe oft mit ihm Schlägereien gehabt. Ich war schon nah dran ihn abzustechen. Es hat nicht viel gefehlt.