Ich war 14 Jahre alt, als ich mit Drogen angefangen habe, das war 1992, kurz nach meiner Jugendweihe. Meine Oma ist 1992 gestorben, dann ist der Hund von uns auch noch im selben Jahr gestorben. Dann hat man halt gesagt, man kifft etwas am Wochenende, so wie das eben immer anfängt. Später auch noch unter der Woche und irgendwann war man so tief drin in dem Sumpf, dass man was anderes ausprobiert hat. Irgendwann war man beim Heroin. Ich hab das immer beim Asylantenheim gekauft, da ist es von den Preisen her billiger. Es ist zwar gestreckt und man weiß nicht was drin ist, aber für mich hat es gereicht. Ich habe trotz der ganzen Drogen meinen Realschulabschluss gemacht und danach eine Tischlerlehre angefangen, die ich nach einem Jahr jedoch abbrechen musste, weil ich Heuschnupfen habe und nicht mit Holz arbeiten konnte. 1997 war ich dann beim Bund und wurde unehrenhaft entlassen, weil ich ständig unter Drogen stand. Ich habe dann noch in einer Jugendwerkstatt gearbeitet, wo man Kindergärten restauriert hat. Spannende Arbeit, aber ich bin auch kaum clean gewesen.

Ich war damals schwer heroinabhängig und bin deshalb hier runter nach Bayern gezogen. Meine Cousine wohnt schon seit etlicher Zeit hier und ich habe dann bei ihr einen kalten Entzug gemacht, also ohne Medikamente. Wenn ich weiterhin dort geblieben wäre, wäre ich sicherlich kaputt gegangen. Man bekommt die Drogen zwar überall, aber seitdem ich den kalten Entzug gemacht habe, habe ich mir gesagt, ich will nichts mehr damit zu tun haben und bin jetzt auch schon seit 1999 clean.

Ich bin zuerst auf Entgiftung. Da war ich bloß vier Tage, dann hat man mir gesagt, ich soll ins Methadonprogramm. Das wollte ich aber nicht, weil ich nicht von der einen Droge in die nächste reinfallen wollte, sondern komplett davon wegkommen. Meine Cousine hat mich dann angerufen und mir ihre Hilfe angeboten, das habe ich dann natürlich sofort angenommen. Es war nicht einfach, aber letztendlich habe ich es doch geschafft. Seitdem habe ich auch nie Verlangen gehabt, weil wenn man einmal mitbekommen hat, wohin das führt das ist grauenhaft. Es ist zum Schluss soweit gekommen, dass ich meine Eltern bestohlen habe. Ich habe meinen Eltern geklaute Sachen verkauft für mich selber war das die unterste Schublade.

Ich habe eine vierjährige Tochter draußen, für die ich keinen Unterhalt bezahlt habe. Ich konnte keinen Unterhalt zahlen, weil ich zu faul zum Arbeiten war, gebe ich ganz ehrlich zu. Sonst würde ich nicht hier sein. Dann habe ich neun Monate auf drei Jahre Bewährung bekommen, wegen unterlassener Unterhaltszahlungen. Das ging vom Jugendamt aus, weil meine Exfreundin damals in einer speziellen Einrichtung gewesen ist. Das Jugendamt hat dann Geld vorgestreckt und wollte es irgendwann wiederhaben, ist ja klar. Und ich konnte es eben nicht zurückzahlen. Allein deswegen musste ich aber nicht so lange ins Gefängnis. Ich habe vorher noch eine andere Straftat begangen, Diebstahl. Damals habe ich auch schon Bewährung bekommen und dann ist noch etwas ganz Dummes passiert. Man hat mich mit Drogen in M. erwischt, mit vier Gramm Shit. Das Amtsgericht hat mich für ein Jahr ohne Bewährung verurteilt. Dann haben wir aber Berufung eingelegt und mir wurde der Vorschlag gemacht, dass ich die neun Monate reingehen soll, damit die vier Gramm wegen der geringen Menge fallengelassen werden. Das habe ich angenommen und jetzt hat man mir aber trotzdem wegen den vier Gramm meine Bewährung von dem Diebstahl widerrufen. Leicht verwirrend, aber

Hier drinn vermisse ich meine Tochter am meisten. Ich hatte bis zuletzt jedes Wochen- ende Kontakt zu ihr und jetzt lege ich mir meinen Urlaub immer so, dass ich sie sehen kann. Und meine Eltern holen die Kleine trotzdem immer noch jedes Wochenende ab.

Ich hätte es mir hier drinnen schlimmer vorgestellt. Ich habe drei Wochen lang die JVA Memmingen und eine Woche lang Stadelheim kennen gelernt und bin gottfroh hier zu sein. Die Zustände dort sind bei weitem schlimmer als hier. In Memmingen stand zum Beispiel die Toilette mitten im Raum, mitten in der Zelle. Und das war eine Zweimannzelle. Die stand einfach so dran, ohne Schutz. Man gewöhnt sich zwar daran, aber schön ist es nicht.

Um früher rauszukommen, spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Das Haus muss zustimmen, der Chef von der Arbeit wird gefragt, wie man sich geführt hat und ob man seine Aufgaben ordentlich erfüllt hat. Die Gangbeamten müssen einen Bericht schreiben, wie man sich auf dem Gang aufgeführt hat. Es sind eben viele Faktoren, die mit reinspielen. Letztendlich entscheidet es aber der Richter, da kann keiner sagen was passiert.

Für mein Leben nach dem Gefängnis habe ich viele Pläne, aber ob das alles umsetzbar ist, ist eine andere Frage. Klar, ich will arbeiten, so wie ich das hier mache. Aber man weiß selber wie schwierig das ist, Arbeit zu finden, wenn man draußen ist. Deshalb versuche ich mich nicht in Illusionen zu verrennen, um dann draußen enttäuscht zu werden. Ich versuche das alles realistisch voranzutreiben.

Anfangs hatte ich Hilfe von den Sozialarbeitern, aber jetzt nicht mehr Ich bin enttäuscht. Ich wollte nach Rotenfeld, das ist so eine Außenstelle von Landsberg, ein Freigängerhaus. Dort wollte ich eine Umschulung zum CNC-Fräser machen, weil ich noch so lange vor mir hatte und mir dachte: dann machst was Sinnvolles und hast was in der Hand, wenn du wieder raus kommst. Dann ist von hier geschrieben worden, ich sei zu leicht und zu schwach zum Arbeiten und das sind eben Dinge, die mich extrem sauer gemacht haben. Als CNC-Fräser brauche ich nicht viel zu halten. Ich drücke ein paar Knöpfe und da reicht meine Statur schon aus und ich weiß, dass ich anpacken kann.

Es kann natürlich auch sein, dass die das auf die seelische Ebene bezogen haben. Ich muss dazu sagen, dass ich mir das vielleicht auch ein Stück selber versaut habe, als ich alkoholisiert vom Ausgang zurückkam. Aber ich habe eben diesen einen Satz gelesen: zu schwach zum Arbeiten und das fand ich dann schon böse.
Ich möchte das auch nicht noch mal mit den Sozialarbeitern durchsprechen. Nein, zurzeit nicht. Ich habe auch viel um die Ohren hier drinnen. Ich gehe arbeiten, dann habe ich noch andere Gruppen. Solange ich nicht weiß, wann ich rauskomme, brauche ich für mich selber erstmal nichts zu unternehmen, dass etwas voran geht...Jetzt sind es noch sieben Monate und es reicht nicht mehr um eine Umschulung zu beginnen.

Draußen möchte ich in einem Lager arbeiten. Lagerarbeit, das ist meine Welt. Da kann ich für mich selber arbeiten. Ich bin nicht so teamfähig und bin lieber für mich allein, da habe ich meine Ruhe.

Ich war jetzt drei Monate lang auf einer Viermannzelle und das war die Hölle für mich. Wenn da die Leute nicht zusammenpassen, gibt es nur Reibereien. Wenn es da zu laut war, bin ich ausgestiegen. Man kann ja auch nicht einfach zum anderen sagen: Nimm ein bisschen Rücksicht. Interessiert ja keinen. In dem Fall habe ich mich aufs Klo gesetzt und habe gelesen. Es war zwar akustisch nicht leiser, aber ich habe mich aufs Lesen konzentrieren und ein bisschen abschalten können.

Hier drin bleibe ich eigentlich nur durch meine Arbeit lebendig. Ich sortiere Biomüll, aber ich könnte es mir ohne Arbeit hier drinnen nicht mehr vorstellen, auch wenn ich sie erst seit drei Monaten mache. Ich mache die Arbeit gern. Klingt vielleicht ein bisschen komisch, aber hier drinnen habe ich wirklich gelernt, dass Arbeiten zum Leben dazugehört. Ich hoffe, dass ich das draußen auch so weiterführen kann, sonst war das hier drinnen alles umsonst und das möchte ich einfach nicht. Ich möchte hier nicht noch mal rein.

Ich bin innerlich sehr unruhig und dagegen male ich zurzeit viel, weil ich mich dann selber ein bisschen zur Ruhe zwinge. Ich lese viel, was ich jetzt wieder kann, seit ich aus der Viermannzelle raus bin. Es ist für die Leute hier drinnen ein bisschen schwierig mit mir umzugehen, weil ich so nervös bin. Man versucht es zwar abzubauen, aber ich wüsste nicht wirklich, wie man das machen könnte.

Ich bin richtig froh, dass ich hier drinnen Arbeit bekommen habe. Acht Monate war ich hier ohne Arbeit herumgesessen und da bekommt man echt einen Vogel. Es ist auch schwer sich von hier aus eine Arbeit für später zu suchen.
Man kommt immer erst am Freitagnachmittag raus und da haben alle normalerweise schon zu. Klar kann man Bewerbungen schreiben, aber dass man sich selbst irgendwo vorstellt, damit sich die Leute ein Bild von einem machen können, geht nicht. Sonst lesen sie nur, dass man im Knast war und lehnen einen ab. Man hat ja so seine Vorstellungen, wie die Leute aussehen, die aus dem Knast kommen.
Ich denke, dass mir für drei Jahre ein Bewährungshelfer zugestellt wird, wenn ich auf Halbstrafe oder auf 2/3 rauskomme. Das kann ich mir sehr gut vorstellen.

Es heißt hier drinnen: Vertraue niemandem außer dir selbst. Ich möchte hier einfach nicht zu vielen Leuten zeigen, wie es mir eigentlich geht. Es ist nicht von Vorteil, wenn man seine Schwächen zeigt. Weder draußen noch hier drinnen.

Der einzige Ort hier, wo ich mich richtig öffnen kann ist in der Bibelgruppe bei Herrn G. Da fühle ich mich richtig gut aufgehoben und verstanden. Diese Gespräche suche ich dann schon. Ich komme ja viel durchs Haus und dann trifft man die Leute schon eher. Dann kommt es schon dazu, dass man sich eine viertel Stunde unterhält und auch sagt: Hör mal zu, ich habe ein Problem. Es ist aber immer zeitlich sehr begrenzt.

Ich habe mich hier schon mit sehr vielen Leuten angelegt, aber irgendwie macht es mir weiterhin Spaß. Ich mache es halt verbal und die anderen Leute wollen gleich handgreiflich werden. Ich finde es immer wieder faszinierend, dass Leute einem ans Leder wollen, wenn ihnen die Argumente ausgehen. Es gibt auch viele bei mir auf dem Gang, die mich auslachen, weil ich zur Bibelgruppe gehe. Dann lache ich zurück und gehe weiter, weil es mir nichts bringt mich zurückzuziehen. In jeder anderen Situation würde ich wieder in die Zelle gehen, aber gerade bei der Bibelgruppe ist es etwas anderes. Warum soll ich eine Sache die mir hilft unter den Scheffel stellen und verneinen? Wenn ich das könnte wäre ich richtig froh, aber irgendwie geht das nicht.