Ich komme aus B. Durch eine dumme Sache, die ich in L. begonnen habe, bin ich ins Allgäu gekommen. Ich habe dort zwei Diskotheken, darunter eine Sports-Bar aufgemacht. Ich habe aber vergessen, dass das Westallgäu doch etwas anders ist und da ich prinzipiell etwas gegen Drogen habe und bei mir mit Drogen gehandelt wurde, bin ich eingeschritten und jetzt sitze ich hier. Ich habe den Leuten Hausverbote erteilt, dann haben sie in der Früh auf mich gewartet, sechs oder sieben Mann. Ich wurde handgreiflich, wollte mich wehren und na ja, jetzt sitze ich eben hier. Ich habe bis 1998 Bordelle im hessischen Raum betrieben und wurde damals zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Danach hatte ich keine Lust mehr darauf und habe zu meiner Frau gesagt: Komm, gehen wir nach F., da ist es auch schön. Wir haben dann das große Kegelzentrum von Baden-Württemberg übernommen. Es lief auch super, bis meine Frau dann wegen meiner Verurteilung keine Konzession bekommen hat. Danach sind wir ins Allgäu, meine Frau wollte eine Gastronomie, also eine Kneipe übernehmen, die wir jedoch nicht bekommen haben. Deshalb sind wir nach L. gefahren und haben dort eine Sports-Bar eingebaut. Meine Frau und ich haben uns getrennt, dann hat sich das erledigt. Ich habe dann die zwei Diskotheken in L. gekauft. Die Geschäfte liefen ganz gut, ich konnte nicht klagen. Mit den Leuten kam ich auch gut klar, nur ist das Westallgäu eine Hochburg vom Drogenhandel. Da hat es dann zwei Mal gerappelt, ich konnte nicht beweisen, dass der andere ein Messer in der Hand gehabt hat. Er behauptet es wäre ein Handy gewesen und da habe ich meine 14 Monate bekommen für dreimalige Körperverletzung.

Ich habe das Bordellgeschäft 15 Jahre lang betrieben. Wir waren 10 Partner und alle Bordelle, die zwischen F. und K. waren, waren unser Gebiet. Da ist kein Rumäne oder Jugoslawe, also diese knallharten Jungs, reingekommen. Da ist dann Ruhe gewesen, damit man da sein Geschäft machen kann. Drogen waren bei uns verpönt gewesen.

Früher hab ich auch mal eine Ausbildung als Zimmermann gemacht, musste ich. Aber irgendwann waren mir die Balken zu schwer und der Sommer zu heiß.

Im November 1999 hat man mich nach neun Monaten nachträglich in Untersuchungshaft genommen und wollte mir 12 Jahre geben. Drei Partner von mir saßen schon neun Monate lang in Untersuchungshaft. Ich habe gesagt, das gibt es doch nicht, das kann nicht sein. Man wollte mich wegen sechsfacher drittnütziger Vergewaltigung einsperren. Ich wusste damals auch nicht was das ist. Drittnützige Vergewaltigung ist, wenn die Dame mit dem Freier nicht aufs Zimmer gehen will und ich sie dann dazu zwinge. Pro Fall zwei Jahre und man wollte mir sechs Fälle nachgewiesen haben. Dann ist das BKA auf die Azoren, um die Dame zu holen, die berichtigt aussagen sollte. Danach wurde ich aus der U-Haft sofort entlassen. Also noch mal gut gegangen. Drei Leute sind dann auf Bewährung rausgekommen und einer hat eine Haftstrafe bekommen. Er hatte eine eingestellt, die einen falschen Ausweis hatte, auf dem sie einundzwanzig Jahre alt war, wobei sie in Wirklichkeit erst sechzehn gewesen ist. Hat er auch nicht gewusst. Seit dem haben wir das Ostprogramm sein lassen.

Zu meinen Eltern habe ich ein sehr gutes Verhältnis. Die wussten davon gar nichts, bis zum Schluss. Als ich für 2,5 Monate in U-Haft war und raus gekommen bin, bin ich gleich zu meinen Eltern geflogen und habe ihnen das ein bisschen erklärt. Bevor ich hier runter nach L. gefahren bin habe ich noch zu meinem Vater gesagt: Du, ich glaube, der Richter sperrt mich ein. Dann hat er gesagt: ach Quatsch, doch nicht wegen so etwas, das ist doch von 2000. Dann habe ich ihm erzählt, dass es wegen was anderem war und dass ich ihnen alles später erklären werde.

Einmal wurde ich in B. verhaftet. Da ist das mobile Einsatzkommando gekommen, weil im Computer drin stand, dass ich Mitglied in einer kriminellen Vereinigung war. Das waren die Geschichten von 1997 und 2000. Da kam gleich das MEK an, aber gleich wie. Direkt vor meinem Laden standen dann bestimmt sieben maskierte und zwei normale Polizisten. Ich saß im Auto drin und dachte: Das kann jetzt nicht wegen mir sein. Dann wurde auf einmal die Tür aufgerissen und ich dachte mir, dass es wohl besser ist, wenn ich erstmal nichts unternehme. Ich wurde für zwei Tage eingesperrt, weil der Richter es für angemessen hielt, mich vorsichtshalber mal für zwei Tage in Untersuchungshaft zu nehmen. Der Richter in B. hat mich dann auf freien Fuß gesetzt, aber der andere Richter wollte, dass ich mich zwei Mal in der Woche bei der Polizei melde. Ich musste mich also über ein halbes Jahr zwei Mal in der Woche bei der Polizei melden.

Hier im Gefängnis habe ich die Bücherei ziemlich lange betreut, aber die werde ich jetzt zur Seite legen, weil ich ein bisschen Bewegung brauche. Ich bin jetzt Hausarbeiter, putze hier. In der Bücherei bin ich die ganze Zeit gesessen und war alleine, es war den ganzen Tag keiner da. In der Zeit habe viel gelesen, muss ich sagen.